Menhire, Salz, Sonne, Sand und Meer = Carnac

Tag 14 bis 18: Unsere letzte Woche ist angebrochen und wir fahren los Richtung Carnac im Süden der Bretagne.

Carnac (bret. Karnag) liegt im Département Morbihan – ist bretonisch, was so viel bedeutet wie „Kleines Meer“ – und zählt etwa 4300 Einwohner. Carnac hat viel zu bieten, wobei die mehr als 3000 Menhire, die in 10 – 12 Hauptreihen (franz. Alignéments) mit insgesamt 982 erhaltenen Menhiren gruppiert sind und Dolmen, (aus kornisch tolmen, deutsch ‚Steintisch) Großsteingräber einen großen Teil ausmachen. Diese Steine wurden von Menschen aus dem Neolithikum (6000 bis 2000 v. Chr.) errichtet, Also die letzte Stonehenge-Ära der prähistorischen Zeit. Diese Steine werden Megalithen genannt, aus dem Griechischen, von Megagroß, und Lith-Steine. Außerdem liegt Carnac meteorologisch sehr günstig und zählt zu den sonnenreichsten Orten in der Bretagne.

Als wir vor über 40 Jahren das erste Mal diesen geheimnisvollen Ort besuchten, durften wir noch kreuz und quer durch die Steinreihen pilgern, aber diesem Treiben wurde inzwischen Einhalt geboten. Zu groß die Gefahr, dass Mutwillige die Steine umstoßen und beschädigen, die teilweise von Archäologen wieder mühevoll aufgerichtet und fest betoniert wurden. Deshalb ist heute das Gelände eingezäunt und kann umrundet, besser noch mit einer kleinen Touristenbahn unter kundiger Führung umfahren werden. Wir haben ausnahmsweise diese Möglichkeit in Anspruch genommen, unsere Kopfhörer aufgesetzt und gelauscht, was uns die freundliche Stimme alles zu erzählen hatte über diese mysteriösen Steine. Zu wissen, dass vor Tausenden von Jahren Menschen hier fleißig Steine abgebaut, behauen und hier her transportiert haben, erscheint uns heutzutage mit allen unseren technischen Hilfsmitteln fast unmöglich, aber wir können uns vieles nicht mehr vorstellen, was früher nur von Menschenhand und mit Menschenkraft möglich war.

Allerlei Legenden ranken sich um die Entstehung dieser Steinreihen und so mancher behauptet, dass sie „unter der Anleitung von Außerirdischen geschaffen wurden“.

Außerirdisch schön sind auch die Strände von Carnac. Die entdeckten wir als das die kleine Touristenbahn nach ausführlichen Informationen rund um die Menhire und Dolmen am „großen Strand“ von Carnac entlang tuckerte und vorbei an einem weiteren Strand im Stadtteil „Men du“ nach Trinité sur Mer. Genau hier – so beschlossen wir spontan, sollte unsere Tour durch die Bretagne enden. Noch ein paar Tage „sesshaft“ werden, entspannen und die Umgebung entdecken. Genau das wollten wir und selbstverständlich mit unseren Rädern.

Der Strand von Carnac (Carnac-plage) ist übrigens auf einer ehemaligen Salzgarten-Lagune angelegt. Die Salinen, ein häufig von Vögeln besuchter Ort, zeugen noch von dieser Vergangenheit, die auch dem in Carnac ansässigen Thalasso Spa & Resort zugute kommt. Wer Salzgärten besuchen möchte muss heutzutage etwas weiter weg fahren nach „Terre de Sel“ in Guérande.

Weiße, warme Strandbuchten – wie leer gefegt, keine Touristenströme im September wie auf den Balearen oder anderen Mittelmeerinseln. Strände nur für die Einheimischen und die wenigen Touristen wie wir. Das Wasser war erfrischend und durch den Schutz der Bucht entstehen hier keine großen Wellen, was sehr angenehm ist beim Schwimmen.

Zu dem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass Carnac noch weitere wunderschöne Strände zu bieten hat, aber die Nachbargemeinde „Trinité sur Mèr“ mit ihrem lebhaften Treiben, dem Yachthafen und vielen kleinen Restaurants entlang des Hafens hatte es uns bereits bei der Rundfahrt angetan. Hier der Ausblick vom Restaurant auf den Hafen.

Hier gab’s täglich ein 3-Gang-Menu.
Yachthafen von Trinité sur Mer
Selbst aus großer Höhe sind die großen Strände gut zu erkennen. Unserer späterer Campingplatz = rotes Kreuz

Zurück auf dem Parkplatz bei den „Alignéments“ starteten wir also sofort die Suche nach einem schönen Campinplatz und fanden zwei, die beide in Frage kamen. Uns gefiel der bretonische Name „Le Men Du“ uns deshalb freuten wir uns, dass wir uns sogar den Stellplatz selbst aussuchen durften. Allerdings auch hier keine Verständigung in einer anderen Sprache als Französisch, aber der Besitzer und seine Mitarbeiter sind sehr freundlich, die sanitären Anlagen waren immer sauber, die gesamte Anlage ist gepflegt und relativ neu. Wer sich nicht auf französisch verständigen kann, dem empfehle ich eine Übersetzer App mit Sprachfunktion.

Hier der Link zum Campinplatz Camping „Le Men Du(bret. schwarzer Stein)

Unsere Teilzeit-Nachbarn waren – wie könnte es anders sein – fast ausschließlich Franzosen. Die waren zurückhaltend, aber sehr freundlich. Die Zurückhaltung liegt allerdings mehr an der Sprachbarriere, was immer ein wenig schade ist. Außer „Bonjour“ und „Bonne nuit“ war da nichts, aber wir waren sowieso den ganzen Tag unterwegs und selten einmal vor abends wieder auf dem Campingplatz.

Die Ferien sind im September vorbei, also trafen wir auf dem Campingplatz nur ältere Leute (wie wir) oder Eltern mit Kleinkindern und sie alle machen sich bei Ebbe auf den Weg zum „Buddeln“ nach Muscheln und anderem Meeresgetier. Das macht hier jeder!!! Eimer und Kinderrechen besorgen uns schon kann’s losgehen. Die Muscheln müssen größer sein als 3 cm, sonst dürfen sie nicht in den Kochtopf 😉 Mit einem Bretonen kam ich ins Gespräch, denn er sprach sogar mal ausnahmsweise gut Deutsch dank früherer Berufstätigkeit. Er meinte, das sei der Nationalsport der Bretonen. Sieht ganz schön anstrengend aus!

Bei Ebbe am Strand sieht es so aus. Männer, Frauen, Kinder, ganze Familien rücken an und holen sich Muscheln oder Schnecken aus dem Meeresboden, Beide Fotos sind stark vergrößert, denn ich habe aus der Ferne fotografiert. Weiter unten ist zu sehen wie stark sich das Meer zurück zieht.

Langsam kommt das Wasser zurück. Nicht schnell, aber stetig. Diese Stimmung mit dem besonderen Licht und den Wolken hat uns jeden Abend verzaubert. Rund um die Bucht gibt es viele Bänke auf denen wir immer wieder fasziniert diesem Naturschauspiel zugesehen haben. Hier in Carnac kommt die Flut nicht stürmisch oder wild, sondern ganz sanft füllt sich die Bucht wieder mit Wasser.

Rechts am Horizont sieht man die Halbinsel „Quiberon“

Hier in der Bretagne ist es sehr idyllisch, was mir persönlich sehr gut gefällt. Keine Strandbars, keine Strandverkäufer, keine „Masseure“, die uns Thai-Massagen anbieten, kein Banana-Boat und auch keine Jetski. Was uns auch auffiel ist, dass es hier keine Strandabschnitte mit Sonnenschirmen und Liegen gibt. Die wären ja auch im September gut zu erkennen gewesen.

Ich persönlich liebe diese Stille und die Möglichkeit, sich hier träge im Sand niederzulassen, zu lesen oder einfach nur aufs Meer hinauszuschauen. Vor 16 Uhr kommt hier sowieso niemand, um sich am Strand zu sonnen. Ein Strandaufenthalt am Nachmittag gehört hier einfach zum Leben dazu. Es wird ein Magazin oder Buch gelesen oder ausgiebig geschwommen und nur auf einem Tuch im Sand gelegen, egal wie alt die Leute sind. Vielleicht ist das in der Hochsaison im August anders, wenn die Familien kommen, aber es gibt keine Anzeichen dafür, dass es hier auch nur annähernd so zugeht wie an den viel besuchten Stränden auf der Lieblingsinsel der Deutschen 🙂 In zweiter Reihe gibt es einige Restaurants, Bars, Boutiquen, Vinotheken, Crèperien. Es ist alles da, was man so zu einem gelungenen Urlaub braucht. Und wenn wir wieder hierher zurückkehren, werden wir uns abends auch dem „Buddeln“ nach Muscheln anschließen. Es hat etwas Meditatives, wenn hier alle graben ohne zu reden und später zufrieden ihre vollen Eimer nach Hause tragen.

Wer Lust hat, kann hier stundenlang auf dem Meeresboden spazieren gehen, denn das Meer ist bei Ebbe weit, sehr weit weg! Die oben graben aber nach Muscheln und anderem Meeresgetier. Das ist die Lieblingsbeschäftigung der Bretonen am späten Nachmittag.

Wir blieben also 5 Tage! In und um Carnac ist alles gut mit dem Rad erreichbar, sogar der nächste große Supermarkt „Super U“! Unsere Einkäufe haben wir in große Radtaschen gepackt und auf den Campingplatz transportiert. Das Wohnmobil blieb die ganze Zeit stehen. Sonntags gibt es einen großen Markt, wo nach Herzenslust geschlemmt, eingekauft und gestöbert werden kann. Allerdings dauert der nur bis mittags. Dann packen die Händler im Eiltempo ihre Waren zusammen und gehen essen, denn das ist ein MUSS in Frankreich wie wir festgestellt haben.

Am 18.9. war die schöne Zeit in der Bretagne vorbei. 3 Tage wollten wir uns für die Rückfahrt Zeit lassen. Über das Loiretal fuhren wir Richtung Freiburg i. Breisgau, wo wir am Freitag ankommen wollten. Dreimal machten wir noch Halt: Orléans, Dienville am Lac d’Amance, Tittisee-Neustadt, Feldberg. Immerhin mussten wir rund 1300 Kilometer bewältigen bis nach Hause. Schöne Fotos habe ich noch von Orléans und dem Tittisee mitgebracht, denn das tolle Sommerwetter blieb uns bis zum Schluss treu. Das wird dann der allerletzte Beitrag über unsere Wohnmobilereise nach Frankreich.

Ich hoffe, die Fotos und Informationen und die Erzählungen mit unseren persönlichen Eindrücken haben euch gefallen und vielleicht sogar dazu gebracht, selbst mal über eine Reise in die Bretagne nachzudenken, falls ihr noch nicht dort wart. Es lohnt sich auf jeden Fall!

Bei Ebbe unterwegs im Reich von Muscheln, Würmer und anderer Meeresbewohnern, die wir allerdings nicht alle zu Gesicht bekamen. Manchmal hinterlassen sie einfach nur ihre Spuren 🙂

12 Gedanken zu “Menhire, Salz, Sonne, Sand und Meer = Carnac

  1. das mit den Steinen wäre jetzt nicht unbedingt „meins“ da kommen die Strandfotos schon eher nach meinem Geschmack ! Hier ganz tolle Fotos und da möchte man wirklich gerne mal entlang laufen ! Wetter gut alles gut !!!! LG Manni

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    1. Na ja, diese Steinreihen sind wirklich sehr interessant anzuschauen und dafür haben wir uns gerne mal zwei Stunden Zeit genommen, um mehr darüber zu erfahren. Das war’s dann aber auch. Ansonsten waren wir fast täglich mit dem Rad entlang der Strände unterwegs und haben das ausnehmend schöne Wetter am Strand genossen und sind sogar noch geschwommen. Da hier Ebbe und Flut wirklich extrem sind, ist es ausgesprochen schön hier sehr lange am Strand zu spazieren, weil auch unglaublich viel Platz ist, was man gut auf den Fotos sehen kann. Uns hat das wirklich super gefallen! LG Sigrid

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      1. Ich meinte nur das mich solche Steine oder Ausgrabungen auch in Griechenland nie groß interessiert haben. Ich finde das eher langweilig ! Wer sich aber für sowas interessiert ist dann doch alles toll. Ist wie immer eben Geschmack und Interessensache. Wichtig ist dass euch der Frankreichtrip gefallen hat und nur das zählt. In deinen Beiträgen hast du immer geschwärmt und das ist wichtig. Es gibt nichts schlimmeres als von einem Urlaub entäuscht zu werden denn man geht voller Erwartungen dorthin und billig ist ein Urlaub heute sowieso nicht mehr !!! VG Manni

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      2. 🤗 Verstehe gut, wie du es meinst. Und ja, wir hatten schönere Erlebnisse als wir erwartet hätten und dazu nur gutes Wetter. Für 2019 haben wir noch gar nichts geplant. Ich möchte aber nach Namibia oder Südafrika. Ob 2019 oder 2020 – mal schauen. Pässe haben wir jedenfalls schon. LG Sigrid

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