WoMo-„Tour de France“: „Mont Saint Michel“ – der Klosterberg

Wenn sich der berühmte Klosterberg in der Ferne im Dunst zeigt, dann sieht er spektakulär aus. Wer in die Bretagne oder Normandie reist, sollte unbedingt einen Tag für einen Abstecher zum UNESCO Weltkulturerbe, dem „Mont Saint Michel‘ einplanen. Eine Insel mit einer Abtei, deren Turm in den Himmel zu ragen scheint. Informationen findet ihr im Internet zuhauf. Der „Berg“ ist wohl Frankreichs meistbesuchte Attraktion. Deshalb rate ich euch zu einem Wochentag und seid so früh wie möglich vor Ort. Es lohnt sich!

Geografisch gesehen gehört der Mont Saint Michel zum Département Manche in der Normandie. Allerdings verläuft unweit vom Mont Saint Michel die Grenze zur Bretagne und die nächstgrößere Stadt der Bretagne, Saint-Malo, ist nur eine Stunde entfernt.

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Wir steuerten also nach unserer Stippvisite in Paris unseren Stellplatz in der Nähe unseres Wunschziels an und kaum hatten wir unser Wohnmobil abgestellt, erspähte ich durch Gebüsch vom Stellplatz namens La Bidonniere* aus das „Objekt unserer Begierde“ 😉 Es war schon spät am Nachmittag, deshalb planten wir den ganzen nächsten Tag ein für dieses „Wunderbauwerk im Meer“.

Ich vermute mal, dass die Besitzer des Stellplatzes* (Hinweis unten) eine wahre Goldgrube ihr eigen nennen dürfen seit Ströme von Touristen und deshalb auch Wohnmobilisten diese Attraktion entdeckt haben. Ich war das erste Mal in den 70er Jahren dort und diese Insel im Meer übt immer noch Faszination aus, der man sich einfach nicht entziehen kann.

Ich habe da eine kurzes, aber sehr schönes Video entdeckt, welches die Faszination des „Bergs“ sehr anschaulich zeigt. Klick drauf und lasse dich verzaubern 🙂 Das Video ist wirklich sehr, sehr schön!

Vom Wohnwagen-Stellplatz braucht man nur ca. 15 Minuten mit dem Rad bis zur Straße/Brücke zur „Insel“. Und ständig hat man dieses großartige Bauwerk im Blick.

Für Autos und Wohnmobile gibt es einen überdimensional großen Parkplatz gegen Gebühr. Wir haben unser Rad an der Schranke abgestellt und haben uns zu Fuß aufgemacht. Das dauert ungefähr 20 Minuten, wenn du schnell gehst, ansonsten sollte man schon so eine halbe Stunde einrechnen. Es fährt aber auch ein Shuttlebus in kurzen Abständen; gemütlicher geht’s mit einem Pferdfuhrwerk. Auf dem Foto etwas weiter unten siehst du von oben die Strecke, die bewältigt werden muss.

Die größten Höhenunterschiede zwischen dem niedrigsten Wasserstand, dem Niedrigwasser, und dem darauf folgenden höchsten Wasserstand, dem Hochwasser, kommen an der Grenze zwischen Bretagne und Normandie – also genau hier – vor. Neben Kanada findet man hier die stärksten Gezeiten der Welt. Bis zu 14 Metern beträgt hier der Höhenunterschied. Bei Ebbe sind selbst große Buchten leer. Bei St. Malo wird der Mündungstrichter eines Flusses sogar als Staubecken für ein sehr effektives Gezeitenkraftwerk genutzt.

Wir hatten in drei Wochen Bretagne nur einen trüben, wolkenverhangenen Tag zu verzeichnen und der war der am Mont Saint Michel. Das traf sich gut, denn in den engen Gassen drängeln sich viele Menschen, unzählige Stufen sind zu bewältigen und so waren wir sogar froh, dass es ausnahmsweise mal nicht so warm war. Außerdem zaubern die Wolken eine besondere Stimmung.

Der Weg zieht sich ziemlich hin wie du auf dem Bild unten unschwer erkennen kannst. Also nichts für Leute, die schlecht zu Fuß sind.

Wer mag kann sich den Klosterberg bei Ebbe auch von unten und rundherum ansehen.

Die Gründung der Abtei soll auf eine Erscheinung des Bischofs von Avranches zurückgehen: 708 wurde er im Traum vom Erzengel Michael mehrfach zum Bau einer Kirche aufgefordert. Und so begann man mit der Errichtung eines Bauwerks, dessen Fertigstellung Hunderte von Jahren dauerte. Im 10. Jahrhundert siedelten sich schließlich die ersten Benediktiner in der Abtei an. Aus dem 10. Jahrhundert stammt etwa die Kirche Notre-Dame-sous-Terre, in der 996 die Hochzeit des Herzogs Richard II. mit Judith de Bretagne stattfand. Mit diesem Ereignis erlebte das Benediktinerkloster einen lange dauernden Aufschwung, der von zahlreichen Baumaßnahmen begleitet war. Über 500 Jahre wurde an den Anlagen gearbeitet. Die Abtei wurde zu einer regelrechten Festung ausgebaut, die während der Hugenottenkriege allen Angriffen trotzte. Während der französischen Revolution wurde das Kloster aufgegeben und lange als Gefängnis genutzt. Seit den sechziger Jahren leben hier wieder einige Benediktiner und füllen die Klosteranlagen mit geistlichem Leben. Quelle: http://www.france.fr

Aufgrund des großen Andrangs in der Abtei empfiehlt es sich die Tickets für die Besichtigung derselben online zu buchen; es gibt dann einen separaten Eingang. Übrigens auch hier müssen unzählige Treppen bewältigt werden. Wer nur das mittelalterliche Städtchen besuchen will braucht keinen Eintritt zu bezahlen.

Hier unsere Impressionen:. Tatsächlich haben wir uns dann auch noch dazu hinreißen lassen, in einem der alten mittelalterlich anmutenden Restaurants zu essen bevor wir uns wieder zu Fuß auf den Weg zu unseren Rädern machten.

Fantastische Aussicht auf den Meeresboden bei Ebbe!

Für die Besichtigung der Abtei selbst sollte man viel Zeit mitbringen. Es gibt unglaublich viel zu sehen, zu lesen und zu fotografieren, aber eigentlich muss man einfach nur selbst hinfahren, um dieses Gesamtkunstwerk auf sich wirken zu lassen. Innen ist es sehr dämmrig, nur die bemalten Fenster lassen Licht herein, deshalb bekommt ihr hier von innen keine Fotos zu sehen. Ich wollte auch nicht ständig mit Blitzlicht arbeiten.

Von außen betrachtet sieht sie aus wie eine uneinnehmbare Burg – die Abtei, deren Bau hunderte von Jahren dauerte und vielen Angriffen trotzte.

Als hätte die Baumeister früher Häuser und Abtei übereinander gestapelt.

Nach so vielen Eindrücken und einem langen Tag entschlossen wir uns, lieber noch eine Nacht an Ort und Stelle zu bleiben und erst am nächsten Tag weiter zu fahren.

Willst du uns begleiten auf unserer Fahrt Richtung Cancale, Pointe de Grouin, St. Malo und weiter bis zur Bucht von Saint Brieuc? Dann schau bald mal wieder vorbei. Hier schon mal eine kleine Vorschau unserer Route an Tag 6! Gleichzeitig war dies der Tag unserer Ankunft in der Bretagne.

    Bretonischer Name für Bretagne:  Breizh

* Für Wohnmobilisten noch der Hinweis, dass der Stellplatz zwar super als Ausgangspunkt, aber die sanitären Einrichtungen lassen doch sehr zu wünschen übrig. Zwei Toiletten, zwei Duschen, abends um 20 Uhr wird zugeschlossen und morgens vor 8.30 Uhr wird nicht geöffnet. Ein Ding der Unmöglichkeit – meiner Meinung nach, denn der Platz ist groß. Da Strom, Wasser und auch die Duschen extra bezahlt werden müssen, hat uns der Spaß für zwei Tage € 31,40 gekostet!


18 Gedanken zu “WoMo-„Tour de France“: „Mont Saint Michel“ – der Klosterberg

  1. Da hast Du aber einen tollen Bericht getippt und auch die Bilder sind klasse. Man fühlt sich schon auf den Fotos ins Mittelalter zurück versetzt. Lohnt doch mal da vorbei zu schauen. Irgendwann mal…

    Danke !

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  2. toller und interessanter Beitrag ! Habe schon einige Beiträge über diese Sehenswürdigkeit gelesen und gesehen. Klar wenn man in die Region Frankreichs reist muss man natürlich schon einmal dorthin. Kann mir vorstellen das ist das Highlight wie im Allgäu z. B. Neuschwanstein ! Als ich das erste Foto gesehen habe vermisste ich den blauen Himmel ! Aber klar ein Tag bewölkt muss man in Nordfrankreich natürlich auch akzeptieren. Ich persönlich hätte vermutlich das innere nicht besucht sondern mich mehr um das drum herum interessiert. Aber klar jeder hat seine Vorstellungen und seine Geschmacksrichtung. Tolle Fotomotive glaube ich auf Anhieb !!!! Also alles richtig gemacht und wieder mal für Camper oder Wohnmobilfahrer viel Infos geliefert !!! LG Manni

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    1. Danke Manni, aber innen ist es doch sehr interessant, wenn man auch kein Kirchenfreund ist, aber das Bauwerk selbst ist schon wahnsinnig beeindruckend und es gibt für Fotografen Motive ohne Ende. Würde dir garantiert gefallen. LG Sigrid

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      1. ok du hast ja geschrieben dass die Innenfotografie erlaubt ist ! Findet man heute eher selten. Die wollen alle ihre Führer verkaufen an der Kasse !!! Aber gut Motive hat es wahrscheinlich schon jede Menge. Wer weiß ob ich überhaupt mal in die Region komme aber man weiß ja nie !!! LG Manni

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  3. Wirklich sehr beeindruckend und tolle Aufnahmen. Immer wieder interessant zu lesen, welche Unternehmungen manche Leute machen. Und man lernt sogar noch einiges hinzu.

    Es hat mich sehr gefreut, dass wir uns auf diesem Weg eine zeitlang begleitet und gegenseitig von und über uns gelesen haben. Es war immer interessant, deine Beiträge zu lesen. Nun möchte ich mich aber endgültig verabschieden. Meinen Blog habe ich aufgegeben und WordPress gekündigt.

    Ich wünsche Dir weiterhin viel Glück und Gesundheit und bleibe weiterhin so reiselustig und habe Spaß beim Aufschreiben Deiner Erlebnisse.

    Liebe Grüße Robert

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      1. Hab‘ mich aber auch angestrengt und versucht, viele Informationen unterzubringen, ohne dass es langweilig wird. Also, einen schönen Abend, liebe Mathilda und ich hoffe, dass es dir inzwischen besser geht! Lange nichts mehr gesehen von dir, aber ich war ja auch etliche Wochen unterwegs. Liebe Grüße

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