Holpriger Start in der Champagne

Weder in Italien noch in Spanien oder Österreich hatten wir das Problem kein Internet zu haben kurz nach der Ankunft. Anders in Frankreich. Auch nach Stunden kein Netz. Da ging einfach gar nichts. Gegen Abend rief ich meinen Sohn an, ob wir vielleicht was „falsch“ machen. Nein, eigentlich nicht. Er wusste auch nicht weiter. Ratlosigkeit 🙄 all ĂŒberall!

Also gaben wir im Navi den Stellplatz in Mareuil-sur-Ay an der Marne mitten in der Champagne ein, den ich mir zu Hause fĂŒr die erste Nacht schon mal ĂŒber Satellit angesehen hatte und die Adresse fand ich beim Suchen auf dem Navi. Soweit so gut! Dann aber die böse Überraschung: Der kleine Ort platzte fast aus allen NĂ€hten und die StellplĂ€tze natĂŒrlich alle belegt. Der Grund? Es fand ein großer, wohl sehr beliebter Markt statt und alle ParkplĂ€tze belegt. Davon hatten wir natĂŒrlich nichts gewusst, wĂ€re aber trotzdem toll gewesen, dort den Abend zu verbringen.

Hier unter den BĂ€umen sollte unser Wohnmobil eigentlich am ersten Abend in Frankreich stehen 😕

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Einen anderen Stellplatz oder wenigstens einen Parkplatz fĂŒr das WoMo zu finden war leider ĂŒberhaupt nicht möglich. Keine Chance. So langsam war ich richtig genervt und frustriert, denn es war unser erster Tag, kein Zugang zum Internet, der Umgang mit dem Wohnmobil war noch ungewohnt, wir waren hundemĂŒde, hatten keine Ahnung, wo wir nun ĂŒbernachten sollten und ein leerer Magen plagte uns. Doch zuerst musste unbedingt ein Stellplatz gefunden werden.

Epernay, nur sechs Kilometer entfernt, schien die Lösung zu sein. Epernay – Champagner-Hauptstadt! Ich sag nur so viel: Moet & Chandon und viele andere weltberĂŒhmte Marken sind dort beheimatet.

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Dort sollte es nĂ€mlich auch zwei stĂ€dtischen StellpĂ€tze geben und die galt es nun zu finden. Na ja, was soll ich euch sagen, nach 18 Uhr war auch dort kein einziger Stellplatz mehr frei. Wenn schon Pech, dann doch bitte richtig 🙂

Nun stellte sich uns nicht nur die Frage, wo wir nĂ€chtigen sollten, nein wir mussten nun wirklich endlich was essen, denn wir hatten den ganzen Tag darauf verzichtet, weil wir dachten abends in Mareuil-sur-Ay schön ausgiebig essen zu können. Uns knurrte der Magen, die Laune war endgĂŒltig in den Keller gerutscht.  Und dann entdeckten wir einen riesigen Supermarkt, draußen standen Tische und StĂŒhle und wir lasen „Bistro“! Wieder Fehlanzeige – abends um 19 Uhr war die Theke ausverkauft und der Monsieur schĂŒttelte nur bedauernd mit dem Kopf. Warum wunderte uns das nicht wirklich? WĂ€re ja zu schön gewesen, wenn wir an diesem Abend zu einem Essen gekommen wĂ€ren. Wirklich echt Ă€tzend!

Also schnell die „Notfall“-Tortellini und die Tomatensoße gesucht in den VorrĂ€ten, zwei Töpfe auf den Gasherd gestellt. Unfreiwillige Kochpremiere im WoMo auf dem Parkplatz eines Supermarkts. Kein Genuss, keine Zeit, denn es war Samstag 19.30 Uhr, um 20 Uhr war Ladenschluss und die Schranken wĂŒrden geschlossen. Kurz haben wir ĂŒberlegt, ob wir einfach auf dem Parkplatz stehen bleiben sollten bis zum nĂ€chsten Morgen, aber das war ja ein Sonntag und um 12 Uhr wollten wir in Paris sein und nicht in Epernay „eingesperrt“ auf einem Supermarktparkplatz bis Montag.

Und immer noch keine Internetverbindung. Was war da bloß los?

WĂ€ren wir nicht so frustriert gewesen, hĂ€tten wir die wunderschöne Landschaft der Champagne auch viel mehr genießen und vielleicht sogar ein Glas Champagner trinken können auf unseren ersten Abend im Wohnmobil und in Frankreich? BerĂŒhmte Namen haben wir gelesen an den WeingĂŒtern, an denen wir vorbei gefahren sind im Sonnenuntergang. Genossen haben wir es nicht. Fotos habe ich auch keine, weil mir die Lust grĂŒndlich vergangen ist; zum Anhalten blieb keine Zeit.  Außerhalb von Epernay haben wir soweiso kein Restaurant entdeckt.

Also wieder rauf auf die Autobahn und nun hatten wir uns entschlossen, einfach irgendwo auf einem Rastplatz zu nĂ€chtigen. Gedacht, gesagt, getan. Auf dem nĂ€chsten Rastplatz, den wir kurz danach fanden, gab’s ParkplĂ€tze fĂŒr Wohnmobile direkt beim Rasthof.  Sogar duschen hĂ€tten wir können in der RaststĂ€tte, dafĂŒr gab’s nichts zu essen außer Sandwiches und Kaffee aus dem Automaten. Da haben die deutschen RaststĂ€tten doch einiges mehr zu bieten, auch spĂ€ter abends. Doch wir hatten eh keine Lust mehr auf nichts. Nur noch schlafen, egal wo! Ohropax in die Ohren und rein ins Bett.  So endete unser erster Tag „Tour de France“ mit dem Wohnmobil.

Am nĂ€chsten Morgen schaute ich schon frĂŒh nach der Uhrzeit auf mein Smartphone und – oh Wunder – nach 24 Stunden in Frankreich hatte es sich in ein Netz eingeloggt und Internet war verfĂŒgbar. Genauso bei meinem LebensgefĂ€hrten. Irgendwie muss das wohl in Frankreich viel lĂ€nger dauern als in anderen LĂ€ndern, obwohl ich das nicht verstehe. Wir haben beide Prepaid Tarife, aber daran kann’s ja nicht liegen, wenn es in Spanien oder Italien klappt. Oder doch? Wer mir dazu was sagen kann, bitte gerne melden.

Was haben wir daraus gelernt? FĂŒr den ersten Tag in Frankreich auf jeden Fall mehrere StellplĂ€tze notieren mit voller Adresse und sich nicht auf eine Stellplatz App oder die Internetsuche verlassen. Ein Navi ist sehr zu empfehlen und Navis zeigen ja auch CampingplĂ€tze an, aber eben erst, wenn man schon in der NĂ€he ist. Eine Suche im Internet kann ja ĂŒberall und zu jeder Zeit die gewĂŒnschten Informationen zu Tage fördern. Na ja, hinterher ist man halt immer schlauer und wir jetzt auch!

Tag 2: Mit einem Kaffee im Bauch und frisch gestĂ€rkt gaben wir die Koordinaten von Camping de Paris ein und freuten uns schon mal  auf das Abenteuer Paris mit dem Rad entdecken“ 20180903_155205

Zwei Tage reichen natĂŒrlich nicht aus, aber wir haben doch einiges erlebt als Radfahrer.  DarĂŒber gibt’s einen kleinen Extrabeitrag, weil wir auch so viel GlĂŒck mit dem Wetter hatten und eine tolle Aussicht vom Eiffelturm.  Über Paris ist schon so viel geschrieben worden und es gibt ReisefĂŒhrer, BildbĂ€nde und Videos in HĂŒlle und FĂŒlle. Darauf werde ich also verzichten, aber ĂŒber unsere Erlebnisse mit dem Rad werde ich doch kurz berichten.

Paris werden wir vielleicht irgendwann noch mal als Ziel auswĂ€hlen. Immerhin fĂ€hrt ein TGV in nur 3 Stunden 38 Minuten von Stuttgart nach Paris.  Wahnsinn!  Die Trasse des TGV haben wir unterwegs gesehen. Schnurrgerade fĂŒhrt sie ĂŒber Felder mitten durch die Landschaft.   Ein Erlebnis wĂ€re das auf jeden Fall und von uns aus sehr gut machbar.

Weiter geht’s dann beim nĂ€chten Mal mit unserer Ankunft in Paris mittags um genau 12 Uhr!  

Heute aber lacht die Sonne vom Himmel, morgen soll es noch wĂ€rmer werden und ich habe beschlossen, morgen nach Stuttgart zu fahren mit der Regionalbahn auf den Cannstatter Wasen.  Dort gibt’s viel zu sehen beim 200. Landwirtschaftlichen Hauptfest und dem Volksfest.

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14 Gedanken zu “Holpriger Start in der Champagne

  1. Dieses Problem hatten wir einmal in Amerika, wo wir ĂŒber eine weite Strecke kein Internet hatten. Eine Übernachtung zu buchen, war unmöglich und bei Ankunft ausgebucht… Hoffe Paris hat euch verwöhnt und den Anfangfrust gemildert.
    Liebe GrĂŒĂŸe. Priska

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  2. Hallo Sigrid, das war ja ein schwerer Start in den Frankreichurlaub. Das mit dem Internet kommt mir irgendwie bekannt vor. Ich hab alle StellplĂ€tze offline auf meinem Smartphone und natĂŒrlich im Navi. Schöner Reisebericht, vielen Dank. Liebe GrĂŒĂŸe aus Italien Wolfgang

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  3. Also das hat ja schon mal gut angefangen aber ihr habt trotz allem Übel das Beste daraus gemacht. Ich wĂ€re da auch voll in Stress gekommen aber dann auf die Autobahn zu fahren und an einem Rastplatz ist immer noch besser und sicherer als vor einem Supermarkt. Das mit dem Internet kann ich nicht beurteilen, war ja noch nie in Frankreich um da mitreden zu können (zumindest nicht seit es das Internet ĂŒberhaupt gibt ) !!! Es werden sicherlich weitere und schöne BeitrĂ€ge folgen. Viel Spaß auf dem „Wasen“ !!!! LG Manni

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    1. Alle weiteren Tage waren nur positiv. Erst jetzt beim Schreiben fiel mir wieder ein wie genervt ich war! Dabei wĂ€re der erste Abend in diesem kleinen Ort so schön gewesen an der Marne in einem Restaurant. Nun, hat nicht sollen sein. DafĂŒr war dieser erste Tag ja fĂŒr einen Beitrag gut 🙂

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  4. Hallo Sigrid,
    das war ja nun wirklich kein begeisternder Anfang Eurer Reise. Umso besser, dass danach Alles gut gegangen ist. Euer erster geplanter Stellplatz sieht wirklich wunderbar aus. Der haette mir auch gefallen koennen. Und ich ziehe mal wieder Vergleiche zu den Stellplaetzen fuer Wohnmobile hierzulande. Du wuerdest in Traenen ausbrechen, wenn Du unsere hier sehen koenntest! 😉
    Ich freue ich dann schon auf die weiteren Berichte, aber erst einmal viel Spass auf dem Wasen.
    Liebe Gruesse,
    Pit

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