„Schwebend“ Wuppertal entdecken

Bevor wir hier endgültig sämtliche Zelte abbrechen und nach Süddeutschland ziehen, wollten wir endlich mit der berühmten Wuppertaler Bahn „schweben“. Und es hat sich wirklich gelohnt.  Wer in die Nähe von Wuppertal kommt und ein wenig Zeit hat, sollte sich eine Fahrt mit dieser Bahn „gönnen“.

Wuppertal liegt in NRW ca. 50 km südöstlich des Ruhrgebiets und ist das Zentrum des Bergischen Landes.   Wuppertal ist jung, denn erst 1930 wurde aus den kreisfreien Städten Elberfeld, Barmen, Ronsdorf, Cronendorf und Vohwinkel WUPPERTAL So wollten es die Bürger bei einer Befragung. Schon seit 1901 hatte die Schwebebahn die einzelnen Städte an der Wupper miteinander verbunden und so lag dieser Name wohl nahe.

Wir hatten uns „Vohwinkel“ als Startpunkt ausgewählt und auf der Fahrt bot sich uns dieses Bild.  Drei Kilometer schwebt die  Bahn nämlich  oberhalb einer Straße zum Depot Vohwinkel.  Der Rest der Strecke – also rund 13 Kilometer „schwebt“ sie allerdings direkt über die Wupper.

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Beeindruckende Technik
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„Bitte einsteigen“  – alle Stationen befinden sich in luftiger Höhe
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Endstation Vohwinkel

Ein paar Daten und Fakten:

  • Die Idee zu dieser Bahn hatte der Kölner Ingenieur Eugen Langen in den 80er Jahren des 19. Jahrhundert.
  • Bauzeit mit Freigabe der einzelnen Strecken:  1896 – 1903
  • Gesamtstrecke heute: 13,3 Kilometer – davon 10 Kilometer über der Wupper
  • 19.200 Tonnen Eisen wurden verarbeitet
  • 472 Eisenstützen weist die Strecke auf
  • max. Neigung rund 15° bei Fahrten um die Kurven
  • 16 Millionen Goldmark betrugen die Baukosten
  • 1925 hatte die Schwebebahn schon 20 Millionen Menschen befördert
  • 2017darf die „alte Dame“ – wie sie liebevoll genannt wird – auf über 1,5 MILLARDEN Besucher zurückblicken
  • Weitere Details finden Technik-Freunde HIER

Mit einem Tagesticket in der Tasche fuhren wir erst mal die gesamte Strecke ab und stiegen dann bei einzelnen Stationen aus, um immer wieder durch die Stadt zu schlendern oder an der Strecke liegende Sehenswürdigkeiten zu besuchen.  Übrigens gibt es eine Haltestelle ZOO und dazu das passende Kombi-Ticket für 14,50 EUR.

Alle 7 Minuten fährt eine Bahn:

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Gegenverkehr 🙂  und immer freie Fahrt
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Nicht zu beneiden sind die Anwohner, die direkt an der Bahnlinie wohnen
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Schöne alte Bahnhof-Einfahrten
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Beeindruckende Stelzen und Träger

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Die Haltestation „Ohligsmühle“ interessierte uns dann doch so sehr, dass wir den Schildern folgten und auf den „Johannisberg“ hinauf schlenderten,  um  die Historische Stadthalle Wuppertal zu besichtigen. Früher gab es dort mal eine Ölmühle am selben Standort.

Im Jahr 1900 wurde die Historische Stadthalle auf Initiative von Bürgern und Unternehmern der Stadt im prachtvoll-üppigen wilhelminischen Stil errichtet.
Seit sie 1995 – meisterhaft renoviert – wiedereröffnet wurde, verbinden sich ihr ursprünglicher Glanz und ihre einzigartige Akustik mit der technischen Ausstattung des 21. Jahrhunderts – Quelle:  http://www.stadthalle.de

Ein wahres Schmuckstück mit schönen Aussichten und noch schöneren Einsichten, aber wie schön diese Stadthalle innen ausgestattet ist, habe ich erst heute beim Recherchieren entdeckt. Wir hatten uns vorher nicht informiert und uns nur auf die Schwebebahn konzentriert.  Vielleicht beim nächsten Mal!

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Stadthalle
® Fotoquelle:  http://www.stadthalle.de
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Schöne Ausblicke in alle Richtungen
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Der richtige Rahmen

Haltestation „Adlerbrücke“ – eine neue Station, die sich sehr gut einfügt in die alte Konstruktion.

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Ein ganz besonderes Highlight ist der „Kaiserwagen“, der heute von Gruppen oder für spezielle Anlässe gebucht werden kann.  Er steht also nicht im Museum, sondern schwebt immer noch über die Wupper.  Leider haben wir ihn nicht zu Gesicht bekommen, aber hier ein Archivbild.   Er heißt so, weil dereinst Kaiser Wilhelm II. mitsamt seiner Gemahlin Auguste Viktoria in diesem roten Waggon durch das  Wupper-Tal schwebte.

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© Copyright: http://www.schwebebahn.de

Damit beende ich unsere kleine Stippvisite nach Wuppertal und kann nur noch einmal betonen, dass es uns wirklich ein wahres Vergnügen war mit dieser auf der ganzen Welt einmaligen Bahn leicht schwankend über die Wupper zu schweben. 

Dass wir zum Abschluss noch „beim Italiener“ einkehrten, sei nur noch nebenbei erwähnt.  So eine Stadtbesichtigung mit vielen schönen Eindrücken macht schließlich hungrig!

Zum Schluss galt es noch Abschied zu nehmen von guten Bekannten, die mit uns diesen Tag in Wuppertal verbracht haben und die hier wohnen bleiben, während es uns schon bald „in den Süden zieht“.  

Danke Karin und Dieter für diesen schönen Tag und für die lustigen Bowling-Abende in Dortmund!  


 

Wer sich noch ausführlicher informieren will, dem empfehle ich die Beiträge von Rose. Sie ist in Wuppertal geboren und sozusagen mit der Schwebebahn „aufgewachsen“ wie sie mir in einem Kommentar schreibt.  Also wer mag, der klicke ihre Beiträge an:

Nostalgisches Schwebevergnügen

115 Jahre Schwebebahn Wuppertal

Und doch – Unfälle bei der Schwebebahn


32 Gedanken zu “„Schwebend“ Wuppertal entdecken

  1. Hallo liebe Sigrid, bevor du deine Zelte hier abbrichst: Kennst du die Hochbahn an der Dortmunder Uni? Absolut nicht so lang wie die in Wuppertal und trotzdem eine Fahrt wert 😀 Liebe Grüße, Annette

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  2. Ach was für ein Zufall, denn zur Zeit kurve ich mal wieder beruflich in Wuppertal rum. Allerdings nur am frühen Nachmittag.

    Wuppertal kenn ich schon recht gut, auch die Gegend ringsrum. Da gibt´s viel zu sehen, schöne Ecken, nette Villen, aber auch echte Dreckslöcher. Elberfeld gefällt mir am besten.

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  3. Hallo Sigrid,
    die Schwebebahn [ich bin nur einmal damit gefahren, fand es aber eine wirkliche Erfahrung] ist schon ein faszinierendes Verkehrsmittel. Und Du hast es mit Deinen Bildern fantastisch in Szene gesetzt: prima Beitrag!
    Hab’s fein,
    Pit

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  4. Toller Beitrag und wenn man irgendwann, in ferner Zukunft, Staufrei und pünktlich mit der Bahn nach Wuppertal kommt, durchaus ein lohnendes Ziel:)
    Lieben Gruß,Andy

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    1. Und im Bergischen Land könnt ihr ja auch gleichzeitig noch einen Wandertag planen 😀 Die Fahrt hat sich wirklich gelohnt. Übrigens kann man ja auch mit dem Zug anreisen, weil eine Station auch der Hbf ist. Von Köln aus ist das doch ein Katzensprung. So weit ich weiß, wohnt ihr doch dort in der Nähe. LG, Sigrid

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  5. ja, Sigrid, Wuppertal ist meine Geburtsstadt, 25 Jahren habe ich hier gelebt und die Schwebebahn war während meiner Schulzeit und später während meiner Lehre das tägliche Verkehrsmittel. Ich habe eine Blog-Serie erstellt mit dem Titel „ein bemerkenswertes Verkehrsmittel – die Schwebebahn in Wuppertal #1 – #20. Hier findest du das Vorwort
    http://tinyurl.com/laprof5
    Zu einigen Haltestellen erzähle ich auch etwas Privates, wenn es sich ergibt.
    Liebe Grüße, Rose

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    1. Danke dir! Ja, ich war auch beeindruckt und wundere mich etwas, dass dieses technische Meisterwerk nicht bekannter ist in Deutschland. Es könnte touristisch viel besser vermarktet werden – meine ich jedenfalls. Also wir waren wirklich beeindruckt und sind froh, dass wir da gestern hingefahren sind. Schöne Woche!

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      1. Liebe Sigrid, es ist und bleibt das wichtigste öffentliche Verkehrsmittel was Wuppertal besitzt. Was heißt vermarkten? Hier kannst du eine Rundfahrt machen mit der WSB:

        https://www.schwebebahn.de/mediathek/videos-2016/

        Sie wurde in letzter Zeit renoviert und auf Hochglanz herausgeputzt siehe die Daten hier:
        14. November 2015
        Um Punkt 11.15 Uhr wird der erste neue Schwebebahnwagen in Vohwinkel angeliefert. Ein emotionaler Moment, der bei einer großen Feier mit Wuppertalerinnen und Wuppertalern gewürdigt wurde.
        9. Februar 2016
        In der Nacht vom 8. auf den 9. Februar wird die erste Testfahrt mit der neuen Schwebebahn durchgeführt.
        8. Juni 2016
        Die neue Schwebebahn wird nun auch tagsüber getestet.
        18. Dezember 2016
        Fünf der neuen Schwebebahnen drehen ihre Runden und werden in den laufenden Fahrgastbetrieb integriert. Alle Wuppertalerinnen und Wuppertal können von nun an täglich die neuen Schwebebahnen nutzen. Die WSW mobil feiert dies mit einem bunten Bürgerfest an der Kluse. Die neuen Fahrzeuge werden nun Stück für Stück die alten Fahrzeuge ablösen. Der Austausch soll bis Ende 2017 abgeschlossen sein.
        Schön das sie euch gefallen hat. Ich wohne 40 km davon entfernt und finde diese Idee die man vor 100 Jahren hatte, in diesem engen Tal der Wupper, genial!
        LG von Ulla

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