Palermo – „schöne Blume“


 

Ein kleiner „Ausflug“ in die sehr alte und aufregende Geschichte Palermos sei mir vorneweg gestattet. Ich dachte es geht auch OHNE, aber wer diese faszinierende Stadt und ihre Einwohner verstehen will, kommt nicht an ein wenig Historie vorbei.

Höhlenmalereien aus der Steinzeit zeugen von der langen, bewegten Geschichte Palermos (und ganz Siziliens) lange bevor die Phönizier, die als GrĂŒnder der Stadt gelten –  ca. 800 v. Chr. –  die Stadt als wichtigen Handels-StĂŒtzpunkt entdeckten. Damals hieß sie Ziz = Blume.  Viele Namen hat sie getragen in ihrer jahrtausendealten Geschichte, in der jede Kultur ihre Spuren hinterlassen hat.   Die Römer nannten sie Panormos, die Araber Balerm.   Aber nicht nur Phönizier, Römer, Araber und Griechen haben die Stadt (und Sizilien) erobert, nein auch Vandalen, Byzantiner, Normannen, die Grafschaft der Anjou und die Argonier aus Spanien herrschten fĂŒr lange oder kĂŒrzere Zeit bis mit Hilfe von Bourbonen und Österreich auch diese Herrschaft beendet wurde.

Alle wollten das sizilianische Volk ausbeuten, bis durch Garibaldi 1860,  Palermo dem italienischen König unterstellt wurde. Nach dem zweiten Weltkrieg, in welchem Palermo schwer beschĂ€digt wurde und sich der Wiederaufbau sehr schleppend gestaltete, ĂŒbernahm fĂŒr sehr lange Zeit die Mafia die Herrschaft ĂŒber Palermo – ein dunkles und blutiges Kapitel.  

Zeugnisse dieser vielfĂ€ltigen und jahrhundertelangen Herrschaft begegnen dem heutigen Besucher auf Schritt und Tritt und sind Anziehungspunkte fĂŒr viele Touristen aus aller Welt. 

Vielen wird noch in Erinnerung sein, dass die beiden bekanntesten MafiajĂ€ger Paolo Borsellino und Giovanni Falcone den Kampf gegen die Mafia aufnahmen und beide – neben zu vielen anderen Menschenopfern – ihr Leben lassen mussten.  

Es hat sich viel geĂ€ndert, aber die Mafia „Cosa Nostra in Palermo“ ist immer noch allgegenwĂ€rtig. Einen sehr interessanten  und ausfĂŒhrlichen Artikel darĂŒber könnt findet ihr hier: Ein Leben mit der Mafia 

ZurĂŒck in die Gegenwart – MĂ€rz 2016

Wir fuhren also an einem sonnigen Samstag im MĂ€rz mit Trenitala in ca. einer Stunde vom beschaulichen CefalĂș nach Palermo, weil wir uns das hoffnungslose Verkehrschaos mit unserem Mietauto nicht antun wollten und der Bahnhof „Stazione Centrale“ ein idealer Ausgangspunkt ist. Vor allem in den tĂ€glichen Mercato BallarĂł konnten wir schon nach wenigen Gehminuten eintauchen und waren erst mal vollkommen ĂŒberwĂ€ltigt von dem lauten Geschrei der MarktverkĂ€ufer und dem unglaublichen GetĂŒmmel von Menschen mit volle EinkaufstĂŒten. Und obwohl es unglaublich eng zugeht, wagen es die geschickten Vespa-Fahrer,  sich noch zwischen den FußgĂ€ngern mit knatterndem Motor hindurch zu schlĂ€ngeln. Nicht erlaubt, aber geduldet. Ein Marktstand am anderen, Fischer und GemĂŒsebauern, die direkt von ihren Piaggio DreirĂ€dern „Ape“ herunter Auberginen, Artischocken, Zucchini, Orangen, Mandarinen, Fische, GebĂ€ck  und andere Köstlichkeiten anbieten und mit einer LautstĂ€rke, die anderen noch ĂŒberbieten wollen. Überall riecht es nach frischem sizilianischen Essen, das aus kleinen StĂ€nden oder dampfenden Kesseln heraus angeboten wird.

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Die MĂ€rkte von Palermo sind ein arabischer Teil der Stadt mit geraden engen Marktreihen, mobilen VerkĂ€ufern und schwindelerregender Vielfalt der Farben und GerĂŒche. Das ist wohl der „lebendige“ Teil der arabischen Stadtgeschichte, die in Palermo sogar nach 1000 Jahren nach dem Ende der Herrschaft von Sarazenen erhalten geblieben ist. Schon alleine dafĂŒr hat sich fĂŒr uns ein Besuch in Palermo gelohnt. Ein Erlebnis, das wir nicht vergessen werden.

Zwischendurch empfiehlt es sich in einer der vielen kleinen Bars einen „CafĂ©“  zu bestellen und bei HungergefĂŒhl dazu noch ein Panino mit KĂ€se und Schinken.  Diese Panini, egal mit welchem Belag, werden meistens warm serviert, zumindest wird immer gefragt, ob man sein Panino warm haben möchte. Im Hotel liegen sie schon zum FrĂŒhstĂŒck bereit und mĂŒssen nur noch in den „Paninimaker“ zum heiß machen.  Ach ja, und jetzt innehalten und  einfach nur „gucken und es gibt  wahrlich viel zu sehen und zu beobachten.  Wir fĂŒhlten uns fast erschlagen von der FĂŒlle der EindrĂŒcke. Ganz anders als in Rom oder Berlin.  Palermo ist unvergleichlich!

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Vor Diebstahl und vermeintlichen ÜberfĂ€llen schĂŒtzt man sich am besten, wenn man in der Masse nicht auffĂ€llt, sofern man wie wir alleine und auf eigene Faust unterwegs ist. Bares hatte ich in der Hosentasche, Ausweis und Geldbeutel ließen wir im Safe in CefalĂș.  Es empfiehlt sich eine Kopie bei sich zu haben oder ein Foto auf dem Smartphone, falls man sich wirklich ausweisen muss.  Wir wollten uns einfach durch Gassen und Stadtteile treiben lassen, gerne auch mal vorbei an den berĂŒhmten SehenswĂŒrdigkeiten, vor allem aber wollten wir einfach Palermo erleben und in das pralle sizilianische Leben eintauchen.  Wie lebt es sich heute in einer Stadt, die fĂŒr die „Mafia“ steht wie keine zweite. Noch heute werden Schutzgelder bezahlt, aber Gewalt und Schrecken sind nicht offensichtlich.Allerdings war uns schon ein wenig mulmig zumute als wir durch Gassen schlenderten, in die sich offensichtlich Touristen selten verirren.

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Nur noch als AblageflÀche zu gebrauchen!
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Ich vermute mal fĂŒr BauchtĂ€nzerinnen?
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Markt im Hinterhof irgendwo ziemlich abseits.  Da habe ich Safran gekauft und getrockneten Oregano.  In diesem Viertel war nichts zu sehen von der Pracht Palermos.

Palermo ist nĂ€mlich vielerorts schmutzig, wirkt oft verkommen und seltsam verwirrend – andererseits lebt Palermo von den unzĂ€hligen Zeugnissen seiner wechselvollen Geschichte: Mosaikenverzierte PalĂ€ste, staufische KaisergrĂ€ber, NormannenpalĂ€ste, der kunstvolle Brunnen „Fontana Pretoria“ und natĂŒrlich Quattro Canti, die wohl berĂŒhmteste „Kreuzung“ Siziliens oder vielleicht ganz Italiens.

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Fontane Pretoria
Sizilien-Palermo
Quattro Canti

Das berĂŒhmte „Teatro Massimo“ haben wir nur von außen gesehen. Es wurde erst Ende der 90er Jahre wieder eröffnet.  Falls wir wiederkommen, mĂŒssen wir sehr viel mehr Zeit mitbringen!

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Aber sagt mal ehrlich: Was macht den Reiz aus in einer fremden Stadt?   Ausgetretene Touristenpfade und Ströme von Besuchern Richtung „Teatro Massimo“ oder andere SehenswĂŒrdigkeiten oder einen Platz finden an einem Tisch in einer kleinen Seitenstraße, in einem Ristorante und dort, wo auch Einheimische essen,   ein ausgiebiges Mittagessen genießen?   Also ich liebe solche Momente total und freue mich, wenn wir uns willkommen fĂŒhlen und fĂŒr einen Augenblick sogar vergessen, dass wir Fremde sind.  Mit ein wenig Italienisch gelingt das sogar ganz gut.

 

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Schwertfisch und Schwertfisch-Involtini – die köstlichen Antipasti habe ich leider vergessen zu fotografieren. Große Auswahl – vor allem unbekannte  Artischocken-Varianten.

Palermo wĂ€re es wert gewesen, die ganze Woche dort zu verbringen, aber diese wunderschöne Insel hat ja so viel zu bieten!  Wir wollen wiederkommen – bald schon!

Ich hoffe, ich konnte euch ein wenig „mitnehmen“ in die berĂŒhmt, berĂŒchtigte Hauptstadt Siziliens, die anders ist als alle anderen StĂ€dte, die ich bisher besucht habe als Gast.  

Und da war ja noch was:Viele „GefĂ€llt mir“ Klicks hat mir WordPress vermeldet. Hurra! Juhu! Vielen herzlichen Dank an dieser Stelle und ĂŒberhaupt,   dass ihr meine BeitrĂ€ge lest und sie euch gefallen. Niemals hĂ€tte ich gedacht, dass sich fĂŒr meinen  60plus-Blog ĂŒberhaupt mal jemand interessieren wĂŒrde.  Habt ihr meinen „Ableger“ schon besucht?  Über einen Klick auf „FOLGEN“ freue ich mich!

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Also, was soll ich sagen, ich bin richtig happy, ihr Lieben!   Ich freue mich riesig!

Herzlichst 🔆Sigrid🔆

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11 Gedanken zu “Palermo – „schöne Blume“

  1. Ein wunderbarer Bericht, aus dem auch jetzt noch die Begeisterung klingt, eine tolle Mischung aus persönlichen EindrĂŒcken und historischem Hinterrund. Und ja, auch wir lieben es, die AtmosphĂ€re einer Stadt zu erfassen, zu genießen, die Seitengassen, das ‚wahre‘ Leben abseits der Touristenströme.
    LG, Ingrid

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  2. Wie so oft, eine Stadt mit einer schönen und einer weniger schönen Seite. Das noch heute dort Schutzgeld eine Rolle spielt ist schon sehr erschreckend. Die MarktatmosphĂ€re hast du toll beschrieben, ich meinte zwischendurch den „LĂ€rm“ der Stimmen und Vespas zu hören und deine Bilder finde ich, wie immer toll. Diese Auto am Schluss, fĂ€hrt auch einer meiner Nachbarn – ich hasse ihn dafĂŒr 😉, denn dieses knattert wie blöde und er fĂ€hrt morgens gegen 5 damit los. LG Ralf

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