Liebe auf den zweiten Blick

- Das Foto zum Blog - :D

Wenn ich mir meine Fotoalben bei Picasa anschaue, dann habe ich sehr viele, die mit „Radtour  ……. “ von, nach, rund um ….. tituliert sind! Doch nicht immer war ich so eine begeisterte Radfahrerin. Lange Zeit konnte ich mich nicht dafür begeistern.  

Nun aber  mal von vorne:

Wie gesagt – früher machte mir Rad fahren eigentlich gar keinen Spaß. Klar, ich bekam mein erstes Fahrrad schon mit 10 Jahren (1962), denn damals wechselte ich die Schule und musste fortan in einen benachbarten Ort fahren. Um das Geld für den Bus zu sparen, schenkten mir meine Eltern zu Ostern ein schönes, grünes Fahrrad. Ich war wenig begeistert, denn von nun an wurde nicht nur an trockenen, sonnigen Tagen geradelt, nein, ein Regenponcho sorgte dafür, dass ich „allwettertauglich“ ausgestattet war und immer fahren konnte. Die Alternative hieß einfach ca. 4 km zu Fuß mit dem Schulranzen nach Hause oder zur Schule gehen. Früher fuhr man auch nicht mit dem Auto zum Einkaufen, auch das wurde zu Fuß oder mit dem Rad erledigt, das Fahrrad war kein „Sportgerät“ mit dem man Freizeitaktivitäten plante, es war eher Mittel zum Zweck, um eben mal schneller von A nach B zu kommen, denn nicht alle hatten ein Auto in den 60er und 70er Jahren.

Später – sehr viel später – nachdem erst mal viele Jahre das eigene Auto lange Vorrang hatte und der Weg zur Arbeit – er war aber auch viel zu lang, um ihn mit dem Rad zu bewältigen – mit dem Auto zurück gelegt wurde, habe ich mir ein Trekking-Rad angeschafft als unsere Kinder in dem Alter waren, dass mit ihnen kurze und später auch längere Ausflüge auf dem Rad unternommen werden konnten – mit Kindersitz vorn oder hinten. Das war dann schon Anfang der 90er Jahren. Das bot sich sehr an, wohnten wir doch in einem Flusstal, auch als Kocher- und Jagsttalradweg bei Radlern bekannt und beliebt. Auch Freunde und Bekannte hatten Räder und so wurden öfter mal gemeinsame Radausflüge unternommen.

Auch meine beiden besten Freundinnen waren schon damals ganz große Radfans, nur ich konnte mich für lange Radtouren immer noch nicht so richtig begeistern. Die beiden verbrachten jeden Urlaub „im Sattel“ – fuhren hunderte von Kilometern an Flüssen entlang in ihren Urlauben, während wir mit dem Auto immer gen Süden nach Italien fuhren. Wir zogen es vor, unsere Urlaube am Meer zu verbringen anstatt im Fahrradsattel.

Nun aber zurück zu der Zeit als der „Radl-Spaß“ langsam aber sicher auch mich erfasste. Als die Kinder dann größer waren und gemeinsame Radausflüge eher Seltenheitswert hatten, ließ ich mich von meinen Freundinnen überreden endlich auch an längeren Radtouren teilzunehmen. Die Ausstattung hatte ich ja. Seit die Kinder Rad fuhren, legten wir auf Helme wert und trugen sie als gutes Beispiel auch selbst. Auch eine Radlerhose lag im Schrank herum und kam endlich zum Einsatz. Es gab keine Ausrede mehr!

Anfangs schmerzten mir öfter mal so richtig die Kniegelenke und das Hinterteil , musste erst mal an den damals noch harten Sattel gewöhnt werden. Immerhin kann es in Süddeutschland ganz schön auf und ab gehen und die „Buckelestouren“ sind berühmt-berüchtigt, aber es machte Spaß die Landschaft auf diese beschauliche, wenn auch gelegentlich anstrengende Art zu erleben – Wärme, Regen, Hitze, Kälte – und nebenbei viele interessante Dinge am Wegesrand zu entdecken. Die Kamera ist deshalb schon immer bei jeder Tour dabei, um schöne Motive sofort festzuhalten. Ja, so fing das also an und auch die Erkenntnis machte sich langsam breit, dass viel Bewegung an frischer Luft auf jeden Fall für die Gesundheit sehr zuträglich ist.

Vor ungefähr 8 Jahren war es dann soweit. Ein neues Rad musste her, eines, das genau zu mir und meinen 55 Jahren passte. Ich entschied mich für ein Simplon-Rad und auch mein Lebensgefährte bestellte sich einen neuen „Drahtesel“. Eine spezielle Gangschaltung, Hydraulikbremsen, der Rahmen, die Einstellung, der zu mir und meinem Hinterteil passende Gelsattel Vom Fachmann wurden wir ausführlichst beraten und die Räder auf unsere Bedürfnisse abgestimmt. Das ist zwar nicht ganz billig, aber es hat sich mehr als gelohnt, in ein richtig gutes Fahrrad zu investieren. Bis heute war noch nie irgendwas kaputt. Nun fehlte nur noch ein Heckträger für die Anhängerkupplung (wurde extra angeschafft) und nun gab es überhaupt keinen Grund mehr, Aktivurlaube und überhaupt viel mehr Zeit auf dem Rad zu verbringen, wo wir doch nun an jeden beliebigen Ausgangspunkt gelangen konnten.

IMG_5778
Mein „Prachtstück“ 😀

 

Ab jetzt wurde jedes Jahr auch ein mindestens mehrtägiger Radlerurlaub eingeplant.

In Gunzenhausen – im Fränkischen Seenland – verbrachten wir hintereinander zwei Radlerurlaube. Manche Städte laden geradezu ein, das Rad mit zu bringen, z.B. Dresden im September 2011. Das Wetter spielte mit und wir konnten ganz Dresden mit dem Rad erkunden sowie herrliche Radtouren an der Elbe unternehmen z.B. nach Pirna.

2012 im Juni zog es uns nach Bayern an den Chiemsee. Nicht nur, dass dort unzählige Seen zum Baden einladen und die nahe gelegene Bergwelt zum Wandern, nein auch das Radler-Herz kommt voll auf seine Kosten. Zwei große Radtaschen gefüllt mit Proviant, Getränken, Picknickdecke, Badezeug und schon kann es los gehen und zwischendurch wird ein schönes Badeplätzchen für die Rast gesucht. Einmal den Chiemsee umrunden – ca. 50-60 km, genau die richtige Distanz für einen Tag mit entsprechenden Pausen – auch in den sehr einladenden bayerischen Biergärten.

Seit 2009 wohne ich nun in Dortmund, also nicht mehr in Süddeutschland, wo es auch ganz schön hügelig zugehen kann. Hier radelt man meist beschaulich in flachen Landschaften, entlang von Kanälen, auf Bahntrassen oder erkundet sogar Industrielandschaften mit dem Fahrrad.  Wir haben uns sogar einen Tourenatlas „Ruhrgebiet“ gekauft.

Das wäre manchmal ziemlich verwirrend und die Wege schwer zu finden, gäbe es da nicht inzwischen auch GPS-Daten zu fast allen Touren, die andere zuvor entdeckt haben und im Internet veröffentlichen. Die entsprechenden GPS Daten kann man sich auf das Smartphone laden und sich navigieren lassen. Eine prima Sache und ganz neue Entdeckung, denn es gibt unzählige Radtouren, die man nur im Internet findet und die uns in Landschaften und Städte führen, die wir sonst so nie erleben würden. Interessiert uns eine Landschaft oder ein Ort, gibt es dazu garantiert (oder fast) immer eine passende Radtour, deren Daten wir downloaden können und die uns durch wunderschöne Gegenden führt, auch ganz in der Nähe von Großstädten – und doch im Grünen. Insofern ist das Internet wirklich eine großartige Sache. Mit Radkarte wären solchen Touren ziemlich nervig und „verfahren“ an der Tagesordnung.

Eine kleine Auswahl an Touren können wir – trotz Wohnort Großstadt – direkt von hier aus fahren. Nach 3 km sind wir immer irgendwo auf einem Radweg. So führen die ersten Touren im Frühjahr immer erst mal nach Unna, Kamen und zum Phönixsee – zwischen 20 und ca. 40 km. Erst mal wieder an den Sattel gewöhnen, das ist immer notwendig und dafür sind diese kurzen Strecken prima geeignet.

So lange es geht, möchte ich diese schöne Freizeitaktivität bei behalten. Ich habe immer meine Kamera dabei, um schöne Motive festzuhalten, finde unterwegs Kräuter am Wegesrand oder entdecke Pflanzen, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Dann werden diese in meinem Korb verstaut und daheim bestimmt. Deshalb sind unsere Touren meist nicht länger als 60 km, aber wir sind oft den ganzen Tag unterwegs und draußen. Es kommt uns nicht darauf an, möglichst weite Strecken zu fahren, sondern schöne Landschaften zu erleben und die Natur zu genießen.

Sollten wir, wie geplant, wieder in eine hügelige Landschaft umziehen und die Gelenke stärkere Steigungen nicht einigermaßen schmerzfrei akzeptieren, ist der Kauf eines E-Bike geplant, aber bis dahin bringt mich mein Rad aus eigener Kraft hoffentlich noch an viele schöne Plätze!

Den Radl-Fans unter euch und solchen, die es aufgrund meiner Begeisterung und dieses Beitrags vielleicht noch werden wollen,  wünschen wir viel Spaß beim „Radeln“.

Herzlichst

🔆Sigrid🔆

fahrrad_08

 

 

 

 

 


18 Gedanken zu “Liebe auf den zweiten Blick

  1. Hört sich gut an :-). Wir wohnen eher hügelig, wenn auch nicht direkt bergig, daher sieht man hier viele E-bikes und natürlich hat jedes Rad mind. 21 Gänge ;-). Leider bin ich im letzten Jahr kaum zum Fahren gekommen, dafür sind wir viel gewandert. Dein Bericht motiviert mich, in diesem Jahr wieder öfter Rad zu fahren und die Natür per Rad zu genießen :-). Viel Spaß für Dich beim radeln und liebe Grüße, Birthe

    Gefällt 1 Person

    1. Schön, wenn ich dich ein wenig animiert habe. Wir machen beides: Rad fahren und wandern, alles zu seiner Zeit. Im Sommer, wenn es sehr warm ist eher radeln und den Wind um die Nase streichen lassen, dabei Touren aussuchen, die uns in Regionen führen, die wir noch nicht kennen. Im Herbst sind dann eher wieder schöne Wandertouren angesagt oder wir verbinden beides – wie im Chiemgau, wo so vieles möglich ist, wenn man die Berge vor der Türe hat. Durch GPS sind in beiden Fällen Touren möglich, die wir sonst nie kennen gelernt hätten. Das ist schon eine feine Sache. LG Sigrid

      Gefällt 1 Person

    1. Ich habe sehr lange in einem Flusstal gelebt, da bot sich radeln besonders an. Aber radeln muss auch Spaß machen und ich habe einfach Spaß daran gefunden. Muss nicht jede(r) genau so empfinden. Kommt Zeit, kommt Rat(d) 😀

      Gefällt 1 Person

  2. Sehr schön ge – und beschrieben. Danke das du auch die wunderbaren Möglichkeiten für tolle Touren im Ruhrpott erwähnst. Ich stelle immer wieder fest, dass es doch noch ganz viele Menschen gibt, die eine völlig veraltetet Vorstellung vom Revier haben. Ach und dein Rad mit den Blumen- herzallerliebst😉 Da im Moment nicht wirklich Radwetter ist (bei mir jedenfalls), setze ich mich gleich im Studio aufs Rad.
    Dir einen wunderbaren Sonntag!

    Gefällt 2 Personen

    1. Dankeschön. Ja, der Tourenatlas Ruhrgebiet zeigt ganz neue Touren auf. So haben wir auch schon Duisburg umradelt – wirklich eine Route Industriekultur! Interessant. Also ich fahre auch noch nicht Rad. Wir waren ja am Wochenende zu Fuß unterwegs und wir haben festgestellt – abseits asphaltierter Straßen sinkst du überall ein, so nass ist es überall vom vielen Regen. Also ich warte noch ab bis es trockener wird, weil es eben auch Räder im Studio gibt und ich Geduld habe.

      Gefällt 1 Person

  3. Liebe Sigrid, vermutlich hat eure Radlsaison schon begonnen. Wobei – hier sind sie auch schon unterwegs, es liegt ja kein Schnee.
    Ich habe ein Mountainbike und jedes Jahr aufs Neue, muss ich herausfinden wo die Gänge alle sind. Leider fahre ich viel zu wenig.
    Ich wünsche euch eine gute Fahrt. Liebe Grüsse Erika

    Gefällt 1 Person

    1. Das hört sich ja spannend an. Mountainbikes sind hier auch sehr beliebt, obwohl Berge nirgends zu sehen sind. Hier radeln sie damit die Wälder rauf und runter und erschrecken die Fußgänger 😦 Wer wie du in den Bergen wohnt, ist sicher weniger motiviert als die Leute im Flachland. In Holland ist das Rad ja Fortbewegungsmittel No. 1 – alles flach, da brauchst du gar keine Gänge!!!! LG Sigrid

      Gefällt mir

      1. Ich bin eher Flachlandradler. Doch die Mountainbiker kollidieren hier immer mehr mit Wanderern. Toleranz und Rücksicht ist angesagt, wie überall. Liebe Grüsse Erika

        Gefällt mir

      2. Das stimmt liebe Erika und ich will auch nicht alle über einen Kamm scheren, aber wenn der Weg schmal ist und die Biker rücksichtslos angedüst kommen und wir zur Seite springen müssen, dann ärgert mich das maßlos. Wenn ich radle und Fußgänger sind unterwegs, steige ich z.T. sogar ab, wenn Gegenverkehr ist, um die Fußgänger nicht zu gefährden auf Wegen, die beide benutzen. Vielleicht liegt’s am Alter – waren wir früher rücksichtsvoller? Ich meine doch, dass die jungen Biker ziemlich rabiat sind. LG Sigrid

        Gefällt mir

  4. Fahrrad fahren macht nur richtig Spaß, wenn das Rad nicht zu schwer ist. Ich bin immer mit einem „Panzer“ von einem Rad gefahren und habe mich gewundert, weswegen ich völlig erledigt war, während meine mit Radler easy locker und flockig dahin fuhren und nur halb so kaputt waren. Ein Gang auf die Waage zeigte mir dann, das mein Rad über 20 Kilo wog, ein Schock. Jetzt habe ich ein etwas leichteres Radelrutsch mit dem ich auch mal gechillt durch die Pampa kurven kann. Mir tut immer recht schnell der Hintern weh, deswegen meide ich lange Touren *zugeb* 🙂

    Gefällt 2 Personen

    1. Das Rad muss passen wie ein Schuh. Deshalb habe ich ja auch ein Rad ganz nach meinen Vorstellungen gekauft. Bei Simplon Rädern kann man die einzelnen Komponenenten zusammen stellen und das Rad wird dann zusammen geschraubt. Der Rahmen usw. passt ganz genau zu mir und seit ich es habe fahre ich richtig gerne Rad.
      Übrigens fahre ich fast nie ohne Radler-Unterhose, also gepolstert. Habe da verschiedene Stärken und wenn wir so 40 bis 50 km fahren, dann geht’s nicht ohne. Vor allem nicht auf den ersten Touren im Jahr. Der Hintern muss sich immer wieder dran gewöhnen ;-/

      Gefällt 1 Person

      1. Um ehrlich zu sein, ich bin wohl jetzt fitter als noch vor 20 Jahren, weil ich seit einigen Jahren den Spaß am „aktiv sein“ entdeckt habe, aber auch was dafür tun musste, z.B. durch Ausdauer- und Kraftraining im Fitnesscenter erst mal die Grundlagen schaffen und außerdem habe ich die Ernährung umgestellt, mich super viel mit Lebensmitteln beschäftigt. Alles zusammen hat dazu geführt, dass ich mich heute sehr wohl in meiner Haut fühle, obwohl ich gut und gerne 5-10 kg weniger wiegen dürfte. Liegt daran, dass ich nicht auf Süßes verzichten kann 😦 – gebe ich zu, aber habe auch keine Lust auf alles zu verzichten.
        Jetzt geht’s gleich los zu einer kleinen Wanderung in der Nähe von Hagen – ca. 10 km, auch ein Stück auf dem Ruhrsteig. Es geht sogar ordentlich rauf und runter ……. Schönen Tag dir!

        Gefällt 1 Person

      2. Ich wünsche dir eine schöne Wanderung und tolle Eindrücke. Genieße deinen Ausflug, bis bald 🙂

        Gefällt mir

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.