Anschrift „Am Gottesacker 25“: Naturdenkmal Platane

Fotomotiv- und Walking-Paradies, Schafweide,  Rodelwiese, Oase der Ruhe, Heimat von Specht, Fuchs, Trauerschwan Albert & Co = Hauptfriedhof Dortmund 

Wer wie ich  aus einer kleinen, ländlichen, süddeutschen Gemeinde  mit ringsherum  viel Grün, Wald, Äckern, Streuobstwiesen und wenig Straßenlärm nach Dortmund zieht, der sucht ziemlich schnell Rückzugsorte „im Grünen“. Ich habe sie gefunden: Im Rombergpark, im Kurler Busch, in den Wäldern rund um Schwerte und auch direkt „vor der Tür“!

Dortmunds Hauptfriedhof ist mit rund 118 Hekatar einer der größten Friedhöfe in Deutschland und gleichzeitig ein Erholungsort für Naturfreunde, denn als er 1920 bis 1924 angelegt wurde, pflanzten die Planer auch großzügig Bäume. Als Vorlage dienten offenbar die englischen Landschaftsgärten . Viele Wege und Alleen wurden mit Blickachsen angelegt, auf der kleinen Steinbrücke, die über Talwiese führt, treffen mehrere dieser Achsen zusammen.  Sie wird im Sommer mit einer  Schafherde  kurz gehalten (dank Annette von Ruhrköpfe  gibt es dazu ein tolles Foto) und  fällt im Winter mal ausnahmsweise genug Schnee, wird dort gerodelt.   Für Walking Fans ist der Hauptfriedhof ein wahres Paradies, denn er ist die größte zusammenhängende parkähnliche Grünfläche Dortmunds. Hunde sind dort ebenfalls willkommen, allerdings müssen sie verständlicherweise an der Leine geführt werden.

So wundert es mich nicht, dass sich dort regelmäßig Walking-Gruppen treffen, um auf den vielen gut ausgebauten Wegen ihrem Sport zu frönen.  Die gesamte Friedhofsanlage mit allen Gebäuden steht übrigens unter Denkmalschutz.

Rodeln
Rodeln auf der Talwiese – Hauptfriedhof Dortmund Foto: © Copyright by H. Aßhoff

Mein Fotomotiv 2015 war allerdings EINER  der in  über 100 Jahren zu  wahren Riesen herangewachsenen Bäume, nämlich die Platane vor der Trauerhalle.  

Das Ergebnis ist in folgender Galerie zu sehen. Zum Vergrößern bitte klicken.  Ihre gewaltigen Äste müssen durch Seile gesichert werden, denn sie ist inzwischen 100 bis 120 Jahre alt und sie ist ein Naturdenkmal.  Unter ihrem Blätterdach bietet sie Trauernden und anderen Besuchern einen Rastplatz auf ihrer rund um den Baum führenden Holzbank.  Ein Rückzugsort an heißen Tagen wie man ihn nicht häufig findet.  

Nach dem Botanischen Garten Rombergpark und dem Westfalenpark ist der Friedhof mit mehr als 7000 Bäumen die dritte große Anlaufstelle für die Naturfreunde der Stadt. Nicht  nur der interessante Taschentuchbaum findet sich auf dem Gelände, es gibt auch einen Lebkuchenbaum, der im Herbst, wenn er die Blätter verliert, aromatisch nach Kuchen duftet  Ich habe ihn noch nicht entdeckt, was sich hoffentlich ändern wird, wenn ich im Frühjahr 2016 eine Führung mitmache, die mehrmals jährlich angeboten wird. Neu angepflanzt wurde wohl auch eine Reihe von Obstbäumen auf einem speziellen Gräberfeld.  Dort findet man auch den  Korbiniansapfel, den der Pfarrer Korbinian Aigner 1944 im Konzentrationslager Dachau aussäte, und ein Exemplar der 400 Jahre alten Sorte „Roter Eiser“.

Man mag es nicht für möglich halten, aber selbst Füchse fühlen sich wohl auf dem Hauptfriedhof.   Bei über 7000 Bäumen wundert es nicht, dass es sehr viele Spechte gibt, die sich dort heimisch fühlen und natürlich haben sich auch Kaninchen angesiedelt.

Eine Besonderheit ist der schwarze Schwan Albert, der sich am und auf dem Teich unterhalb der Trauerhalle  am „Gottesacker“ wohl fühlt. Ich wusste nicht, dass es einen Schwarzschwan gibt, aber wohin würde er besser passen als auf einen Friedhof.

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Albert, der Trauerschwan

Ich finde es keineswegs pietätlos,, wenn Fotografen, Radfahrer, Walker, Jogger einen Friedhof „bevölkern“  und sich die „letzte Ruhestätte“ mit den Verstorbenen teilen, denn Geburt und Tod gehören zusammen, genau wie Freude und Trauer, Anfang und Ende, die Lebenden und ihre Verstorbenen.

Im Frühjahr werde ich mich zu der 2,5 Std. dauernden botanischen Führung anmelden, die von der Stadt Dortmund angeboten wird.  Beim Schreiben dieses Berichts bin ich darauf aufmerksam geworden.  Darauf freue ich mich schon jetzt. Natürlich mit meiner  Kamera im Gepäck!

Ich wünsche allen meinen Lesern weiterhin eine besinnliche, friedliche und ruhige Adventszeit.  Bleibt gesund!

☼Sigrid☼

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Die herbstlichen Blätter der Platane

 


19 Gedanken zu “Anschrift „Am Gottesacker 25“: Naturdenkmal Platane

  1. Ein sehr schöner Beitrag. Ich finde Friedhöfe interessant und habe auf ihnen viele spannende Bildmotive entdeckt, die mich wiederum zum Nachforschen angeregt haben. Ein Motiv über einen längeren Zeitraum zu verfolgen und zu fotografieren finde ich ebenfalls interessant und lohnenswert. Die Platane ist ja toll. Friedhöfe könnten mehr so schöne einladende Plätze bieten.

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    1. Die Motivsuche auf dem Friedhof fällt nicht schwer. 2015 habe ich nur die Platane beobachtet, aber dieser riesige, parkähnliche Friedhof bietet natürlich Motive ohne Ende und auch Platz zuhauf für schöne Spaziergänge – z.B. wenn Schnee gefallen ist – oder der Frühling ausbricht. LG ☼Sigrid☼

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  2. Hallo liebe Sigrid, da lese ich begeistert, dass du von unserem schönen Hauptfriedhof schreibst und entdecke plötzlich meinen Namen, wie schön! Danke 😀 Viele liebe Grüße, Annette

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  3. Der Novemberbaum gefällt mir gut und auf dem Friedhof ist es richtig schön. Man trifft dort Menschen, die auch fröhlich sind, nichts hat etwas beklemmendes.

    Liebe Grüße und einen schönen 3.Advent ❤ Mathilda

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    1. Stimmt. Das Gerüst, also die Äste, eines Baumes sind ja auch sehr interessant. Ohne menschliche Hilfe wäre er allerdings schon zusammen gebrochen. Er hat schon ein Stützkorsett. Als Wald Freundin liebe ich Bäume und so kam ich auf die Idee diese Platane öfter zu besuchen. Und nun gehe ich ins Bett.💚liche Grüße von mir zu dir ☺

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  4. Das ist ein wirklich schöner Blog. Dein Titelbild ist auch wunderschön. Das ist ein Trauerschwan, oder? Dankeschön für die viele Arbeit und Liebe, die du in diesen Blog gesteckt hast. GLG Odie

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  5. Das ist ja eine ganz tolle Serie. Da hast du mit viel Geduld den Baum ein ganzes Jahr lang beobachtet. Ich wusste tatsächlich nicht, was dieser Friedhof für ein wunderbarer Naturraum ist. Füchse gibt es übrigens auf Melaten auch und auch die Tatsache, dass dort viel Leben ist. Bis auf die verd… Laubbläser finde ich das auch gut. Wie du schriebst: Leben und Tod nahe beieinander.
    LG, Ingrid

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    1. Es gibt dort auch weitere außergewöhnliche Bäume, eine besonders große und alte Ulme usw. Es gibt noch viel zu entdecken dort, aber es gibt noch den Ostenfriedhof, der sehr alt ist und es muss dort sehr viele wunderschöne Grabmale geben und Statuen. Da war ich auch noch nicht. Na ja, auf den Friedhof kommt man ja noch früh genug 😮 Allerdings werde ich sowieso mal im Wald meine letzte Ruhe finden und nicht auf einem Friedhof. Das habe ich schon längst festgelegt.

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    1. Ein wenig Bedenken hatte ich mit diesem Thema. Nicht weil ich damit Probleme habe, aber ob es in diese „Zeit“ passen würde? Aber wenn man liest, was dort alles an „Leben“ stattfindet, dann dürfte es eigentlich kein Problem sein.

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    2. P.S. Ich habe gerade noch vermerkt, dass auf dem Friedhof auch Hunde willkommen sind. Allerdings müssen sie an die Leine und Herrchen oder Frauchen hat evtl. Hinterlassenschaften zu beseitigen. Ich weiß im Augenblick gar nicht, ob Hunde auch überall auf anderen Friedhöfen geduldet sind.

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      1. Eigentlich sind Hunde auf einem Friedhof verboten. Einmal ging ein Wanderweg über einen Friedhof, dort durften wir auch mit der Leine gehen. Grundsätzlich finde ich es aber richtig, dass dort Hunde verboten sind. LG

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